HANA Human Rights Organization
Kurzzusammenfassung
Lagebericht Nr. 1: Proteste in Iran und Vorgehen der Sicherheitskräfte (28. Dezember 2025 bis 1. Januar 2026)
Dieser Lagebericht dokumentiert die ersten fünf Tage von Protesten und Streiks in Iran. Nach den von HANA erhobenen Informationen breiteten sich öffentliche Versammlungen und Protestaktionen von Teheran auf mindestens 32 Städte in mehreren Provinzen aus. Neben berufs und sektorbezogenen Streiks wurden Straßenkundgebungen und kurze Protestzüge gemeldet. Zugleich stellte HANA eine deutliche Eskalation der Reaktionen der Sicherheitskräfte fest.
Für den Berichtszeitraum erfasste HANA mindestens 119 Festnahmen, mindestens 7 Todesfälle sowie mindestens 33 gemeldete Verletzungen. Verfügbare Informationen deuten darauf hin, dass Sicherheitskräfte in einzelnen Fällen scharfe Munition, Tränengas und weitere Mittel der Aufstandsbekämpfung, darunter Wasserwerfer, sowie Pelletmunition eingesetzt haben. In mehreren Orten eskalierten Auseinandersetzungen Berichten zufolge zu schwerer Gewalt. HANA weist darauf hin, dass einzelne Angaben aufgrund eingeschränkten Zugangs, von Internetstörungen und fehlender transparenter offizieller Berichterstattung weiterhin der Verifikation unterliegen.
Als wesentliche Treiber der Proteste werden akute wirtschaftliche Belastungen und verbreitete Unzufriedenheit genannt, insbesondere die starke Abwertung des Rials, hohe Inflation, Marktstagnation und ein spürbarer Kaufkraftverlust. Berichten zufolge näherte sich der freie Wechselkurs zeitweise etwa 140.000 Toman pro US Dollar. Der Streik im Teheraner Basar am ersten Tag entwickelte sich in den Folgetagen zu breiteren Protestformen, darunter Laden und Geschäftsschließungen sowie in einigen Fällen auch studentische Mobilisierung.
HANA dokumentierte zudem ein Muster verstärkter Präsenz von Einheiten zur Aufstandsbekämpfung, Polizeifahrzeugen und in Zivil agierenden Kräften im öffentlichen Raum. In mehreren Städten wurden Tränengaseinsätze sowie Berichte über den Einsatz von Schusswaffen und Pelletmunition registriert. In zahlreichen Fällen blieben der Ort der Verbringung nach Festnahmen, der rechtliche Status der Betroffenen sowie ihr Zugang zu anwaltlicher Vertretung und Kontakt zu Angehörigen unklar. Diese Umstände begründen erhebliche menschenrechtliche Bedenken, insbesondere im Hinblick auf willkürliche Inhaftierungen und mögliche Verletzungen der Mindestgarantien eines fairen Verfahrens.
HANA wird die Lage weiter beobachten und über mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den Protesten fortlaufend berichten. Folgeberichte sollen neue, verifizierte Informationen zu Vorfällen, Mustern staatlicher Gewaltanwendung sowie zur Entwicklung der menschenrechtlichen Situation enthalten.
